Fazit des Stadtteilspazierganges

Als Reaktion auf einen Naziübergriff versammelten sich am Sonntagnachmittag auf dem Albertplatz rund 300 zumeist junge Menschen. Der Vorfall ereignete sich am 11. Februar gegen 2 Uhr, als eine Gruppe Jugendlicher auf der Alaunstraße von einem Mann zunächst angepöbelt und kurz darauf attackiert worden war. In dem im Vorfeld und auf dem Spaziergang verteilten Flyer war fälschlicherweise vom 10. Februar als Tatabend die Rede, was von den Betroffenen später jedoch berichtigt wurde. Nach einer Auftaktkundgebung am Artesischen Brunnen zogen die Menschen durch die Äußere Neustadt, um damit ein Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt zu setzen. Allein in Dresden kam es nach Angaben von Opferberatungsstellen seit 2006 zu mehr als 353 rechten Straftaten und Aktionen.

Bei dem Übergriff in der Nacht zum Donnerstag hatte der Mann zunächst einen der Jugendlichen unvermittelt angriffen. Als anschließend zwei Personen aus der Gruppe dem Betroffenen helfen wollten, beschimpfte er diese als „scheiss linke Zecken“ und verletzte dabei zwei jungen Frauen. Eine erlitt eine Prellung des Jochbeins sowie eine blutige Nase und musste danach ambulant behandelt werden. Obwohl das Lagezentrum der Polizei gegenüber der Dresdner Neuesten Nachrichten und der Sächsischen Zeitung den Übergriff nicht bestätigten wollte, berichteten die Betroffenen, dass am Tatabend auch die Polizei vor Ort gewesen sei und nach dem Täter gesucht habe.

Von der Alaunstraße ging es weiter in die Louisenstraße hinein und von dort auf die Görlitzer Straße in Richtung Alaunpark. Auf zwei Zwischenkundgebungen wurde nicht nur von einer der Betroffenen ein Redebeitrag gehalten, sondern die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels auch über die derzeit angespannte Lage im Süden der Türkei und die schwierige Situation für die kurdische Bevölkerung informiert. Für einen Zwischenfall sorgte gegen Ende ein Straßenbahnfahrer, welcher, von der Polizei unbeachtet, auf der Görlitzer Straße mit hohem Tempo auf die Menschenmenge zufuhr und erst im letzten Moment abbremste. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) kündigten im Nachgang eine Untersuchung des Vorgangs an.

Der Spaziergang endete mit einer Abschlusskundgebung auf dem Alaunplatz, wo sich in einem Redebeitrag noch einmal gegen Rassismus, Abschottung und für ein soziales Zentrum in der Stadt eingesetzt wurde. Für weiteren Ärger an diesem Tag sorgte einmal mehr die Sächsische Polizei wenige Minuten nach dem Ende des Spaziergangs, als sie den vom Bündnis „Dresden Nazifrei“ zur Verfügung gestellten Lautsprecherwagen am Neustädter Bahnhof kurzerhand stoppten, um mit behelmten Einsatzkräften den Wagen und dessen Insassen zu kontrollieren.

Weiterer Bericht

Zur Dokumentation folgender Quelle entnommen