Freital: Hoyerswerda 2.0?

Freital am 22. Juni 2015 – mehrere Böller und ein Rauchtopf werden gezündet. Rund 100 RassisInnen, u.a Lutz Bachmann (PEGIDA), haben sich vor dem ehemaligen „Hotel Leonardo“ versammelt. Auf der Internetseite, der BürgerInneninitiative “Freital steht auf – Nein zum Hotelheim”, welche seit Monaten mit rassitischen Demonstrationen gegen die Flüchtlingsunterkunft Stimmung macht, werden Kommentare veröffentlicht die dazu Aufrufen vor dem Heim zu demonstrieren oder gar asylsuchende Menschen anzugreifen. Augenzeugen berichten von pogromartiger Stimmung an diesem Abend in der Stadt. Zwei Steine fliegen auf Menschen, welche sich schützend vor das AsylbewerberInnenheim gestellt haben.
Wir wollen hier ein Teil der bisherigen Geschenisse in Freital (ca. 40.000 EinwohnerInnen) dokumentieren und ein kurzes Fazit ziehen.


Chronik Freital

6. März: Erste Demonstration der Initiative, etwa 1500 TeilnehmerInnen, Leuchtraketen fliegen, DemonstrantInnen versuchen Polizeiketten zu durchzubrechen um die Unterkunft anzugreifen, Demonstrant kündigt an: „Dann komme ich heute Nacht wieder und zünde das Ding an.“.
13. März: Unangemeldet versammeln sich ca. 130 Menschen um gegen Flüchtlinge in ihrer Stadt zu demonstrieren, dabei versuchen sie, wie in der Vorwoche, direkt zum AsylbewerberInnenheim zu gelangen.
20. März: 1.000 Menschen nehmen an der zweiten Demonstration gegen das Heim teil.
27. März: dritte Demonstration, etwa 750 Leute bei Demonstration von “Freital steht auf – Nein zum Hotelheim”.
31. März: Ein Asylsuchender wurde kurz nach Betreten des Busses von einem Mann rassistisch beleidigt und daraufhin mehrfach geschlagen und getreten.
14. April: Unbekannte brachten in der Erich-Hanisch-Straße an fünf Entsorgungscontainern vier Hakenkreuze, SS-Runen und diverse Schriftzüge an.
20. April: Zwei Männer versuchten in der Nacht einen Brandsatz in das Asylsuchendenheim im Hotel „Leonardo“ zu werfen, konnten jedoch rechtzeitig von der Security gestoppt werden.
30. April: Unbekannte warfen einen Stein durch ein Fenster der Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Leonardo-Hotel in Freital und verletzten damit einen Bewohner am Kopf.
4. Mai: Unbekannte warfen zwei Feuerwerkskörper in bzw. auf das Gelände die Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Leonardo-Hotel in Freital.
5. Mai: Am Abend attackierten drei junge deutsche Männer einen Asylsuchenden. Er war auf dem Weg zur Unterkunft im „Hotel Leonardo“. Sie beschimpften ihn und schlugen den Mann mit einer Flasche und mit Fäusten. Als er zu Boden ging, traten sie ihn.
7. Mai: Unbekannte besprühten den Eingang einer Tiefgarage am Dorfplatz mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen.
8.Mai: Nach eigenen Angaben des Bündnisses “Freital steht auf – Nein zum Hotelheim” beteiligen sich 600 RassitInnen an der 9ten Fremdenfeindlichen Demonstration.
15. Mai: 300 RassisInnen folgen dem Aufruf der Freitaler Initiative “Nein zum Heim”.
23. Mai: Am Nachmittag attackierten ca. zehn Personen einen Asylsuchenden am Bahnhof Freital Deuben. Sie sprühten ihm Pfefferspray ins Gesicht und schlugen ihn. Er erlitt leichte Verletzungen.
19. Juni: Im Freitaler Kulturhaus findet eine Diskussionsveranstaltung mit Innenminister de Maizére statt, davor versammeln sich 80 RassitInnen der Inititiative “Freital steht auf – Nein zum Hotelheim”, NPD und AfD. Die rechte Band A3stus spielt.
22. Juni: Es versammeln sich rund 100 RassitInnen vor dem AsylberweberInnenheim, es werden Böller und ein Rauchtopf gezündet, zwei Steine fliegen, Lutz Bachmann ist vor Ort, die Polizei wird später behaupten es gab keine Zwischenfälle.
23. Juni: Wieder versammelt sich ein rassistischer Mob von etwa 50 Personen vor dem AsylbewerberInnenheim, Rufe wie „kriminelle Ausländer raus!“ ertönen, auf der Abreise werden FlüchtlingsbefürworterInnen attackiert.

Fazit

Die bisherigen Geschehnisse zeigen, dass Freital nicht mit der Einmaligkeit der Anschläge von Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda vergleichbar ist. Sie zeigen allerdings auch, dass die Vorraussetzungen für ein Pogrom, wie in den 90er Jahren, vorstellbar sind. Es liegt nun an der radikalen Linken, in erster Linie die AsylberweberInnen zu schüzen und in zweiter Linie diese rassitische Stimmung in Freital anzugreifen und zurückzudrängen. Hierbei tut sie gut daran, sich nicht auf Bullen (1) , PolitikerInnen oder andere staatliche Institutionen zu verlassen – sie waren 1991 nicht da, werden es auch heute und in der Zukunft nicht sein.

Refugees welcome and ACAB!

(1) Wie Bilder beweisen, ist am 23. Juni auch der 28-jährige Polizeibeamte Fernando Joaquin Vergara in Freital vor dem AsylbewerberInnenheim im Einsatz. Er ist es, welcher beste Kontakte zu den Neonazis Alexander Kurth und Maik Müller pflegt. An diesem Tag werden Autos von FlüchtlingsbefürworterInnen angegriffen und beschädigt, ob Vergara im Zusammenhang damit steht, bleibt Vermutung.